YouTube-Tutorial: Das Genre "Fantasy"

Hallo ihr Lieben,


wie ihr vielleicht gesehen habt (oder auch nicht: www.youtube.com/watch?v=vAXf8GfC97k ;)), haben wir im Dezember unser erstes YouTube-Tutorial hochgeladen! In dieser monatlichen Veröffentlichung (immer am letzten Wochenende jedes Monats), werden wir verschiedene Fragen rund um das Schreiben erörtern, Schreibtipps geben usw. Dafür haben wir ein paar Themen ausgewählt, von denen wir glauben, dass sie euch als Autoren, angehende Autoren oder die, die es mal werden wollen, interessieren. Wir werden mit den allgemeineren Themen anfangen (z.B. Charaktere entwerfen, eine „Welt“ entwerfen, Dialoge schreiben etc.) und uns dann zu den spezifischeren Aspekten vorarbeiten – und hier kommt ihr ins Spiel! Schickt uns Fragen, Themen, Dinge, die euch interessieren und wir werden sie in einem Video beantworten :)

Falls es euch in den Videos zu schnell ging, ihr alles noch einmal in Ruhe nachlesen wollt oder weiterführende und ergänzende Infos wollt, werden wir euch immer am ersten Mittwoch (unserem Blog-Tag) des Monats eine schriftliche Ausarbeitung des letzten Videos präsentieren. Und das hier soll das erste sein :) (Ja, ich weiß, heute ist nicht der erste Mittwoch im Monat, aber im Moment hat sich alles etwas verschoben. Wir bessern uns da, versprochen.)


Für unser erstes Tutorial – sozusagen zum Einstieg – hatten wir uns überlegt, etwas Licht in das Dunkel der Vorurteile gegenüber des Genres „Fantasy“ zu bringen – dem Genre, in dem wir beide schreiben. Das Problem damit ist nämlich, dass man immer, wenn man jemandem erzählt, dass man Fantasy-Bücher schreibt, zu hören bekommt: „Ah, also sowas mit Elfen und Einhörnern.“ Und das ist es nicht. Jedenfalls nicht immer und nicht nur. Denn dabei würde es sich um High Fantasy halten – und das ist nur eins der vielen (unendlichen?) Subgenres, also Unterkategorien, der Fantasy.

Dadurch, dass sich alle Subgenres untereinander miteinander kombinieren lassen (darauf komme ich später auch noch zurück) und täglich neue Bücher erscheinen, entstehen ständig neue und es wäre unmöglich, alle aufzuzählen. Deshalb gibt es hier mal die häufigsten :)


Weil ich High Fantasy ja schon erwähnt habe, fangen wir auch einfach mal gleich damit an.

  • H.F. hat die klarste Definition von allen Subgenres, da es in einer komplett fiktiven Welt spielt (andere Geographie, andere Wetterbedingungen, andere Kulturen, Religionen, etc.)

  • Diese Welten sind meistens in einem mittelalterlichen Zustand, d.h. es gibt Burgen, Ritter, mittelalterliche Städte, ein mittelalterliches Handelssystem usw.

  • Zu den Menschen, die diese Städte bewohnen, kommen oftmals andere Völker hinzu. Typische Vertreter sind Elfen, Zwergen, Riesen, Drachen, Zentauren usw. Viele Autoren erfinden auch eigene Wesen.

  • Häufig gibt es auch Magier, Hexen o.Ä. Generell spielt Magie oftmals eine wesentliche Rolle in der H.F..

  • Gut und Böse sind in der H.F. klar aufgeteilt und voneinander abgegrenzt, d.h. es gibt die sehr Guten und die sehr Bösen bzw. die Neutralen. Zwar gibt es Verräter und Personen, deren Stand unklar ist, doch moralisch zwielichtige Helden (wie etwa bei der Low Fantasy) kommen eher selten vor.

  • Der Kampf, den Gut gegen den Einen Bösen oder die Gruppe Böser Menschen, ausführt, ist meist immer mit einem Quest verbunden. Quest bedeutet ganz einfach 'Suche' und damit ist meist eine Reise gemeint, die die Guten antreten, um die Bösen zu besiegen (klassisches Beispiel: die Reise zum Schicksalsberg in Der Herr der Ringe). Das Quest-Motiv kann aber auch metaphorisch gemeint sein, z.B. in Game of Thrones, die 'Suche' nach dem rechtmäßigen König bzw. nach dem Thron.


Kommen wir jetzt zu Low Fantasy:

  • Im Gegensatz zu High Fantasy, ist L.F. sehr schwer zu definieren, da sich im Internet viele, zum Teil widersprüchliche Definitionen finden.

  • Es kann oder nicht in einer fiktiven Welt bzw. der realen Welt spielen. Auf die Umgebung kommt es hierbei demnach nur sekundär an.

  • Im Gegensatz zu H.F. kommt Magie kaum oder überhaupt nicht vor.

  • Gut und Böse sind nicht klar getrennt, d.h. es gibt häufig auch nicht den einen, 'perfekten' Helden. Wie zuvor schon erwähnt, kommen hier oft moralisch zwielichtig Hauptcharaktere vor, z.B. einen Mann, der im Grunde genommen zwar der Gute ist, jedoch trotzdem mordet und trinkt – einen Antihelden, sozusagen. Auch arbeitet er meistens allein, ist vermutlich einsam und wird bei der Erfüllung seines Schicksals vom Leser begleitet.


Als nächstes folgt Urban Fantasy, eines der beliebtesten Fantasy-Genres momentan:

  • Wie der Name schon andeutet (urban = 'städtisch'), spielt die Geschichte in unserer realen Welt – zwar nicht zwangsläufig in großen Städten, jedoch überwiegend.

  • In diese unsere Welt dringt entweder etwas Übernatürliches dringt oder existiert bereits – relativ unerkannt – in ihr.

  • Egal ob neu oder alt – über dieses übernatürliche Etwas (das können u.a. Dämonen sein, Geister, Zauberer, Kobolde, Werwölfe oder evtl. auch Vampire, siehe dazu aber den Punkt Vampire Fantasy) weiß nur ein mehr oder weniger kleiner Personenkreis Bescheid, und muss das Böse in diesem Geheimnis bekämpfen, ohne dass der Rest der Welt Wind davon bekommt.

  • In den meisten Fällen kommt der Hauptcharakter neu in diesen Kreis der Eingeweihten hinein; in der Regel stolpert er mehr oder weniger hinein. Er entdeckt – zusammen mit dem Leser – die Geheimnisse, die in unserer Welt heimlich existieren und lernt, das Böse zu bekämpfen. In diesem Subgenre kann sich der Leser am besten mit dem Protagonisten identifizieren, da er aus derselben Welt stammt und im Grunde dieselben Erfahrungen im Leben macht.

  • Auch hier gibt es natürlich wieder unendliche viele Unterpunkte (man muss sich das Ganze wie einen Baum mit Ästen vorstellen, aus denen weitere Äste wachsen, aus denen entstehen Zweige usw.), z.B.

    • Urban Contemporary Fantasy: Spielt zur heutigen Zeit, bzw. nahe Vergangenheit oder nahe Zukunft (ca. +/- 10-20 Jahre).

    • (Urban) Historical Fantasy: Spielt in der Vergangenheit (oft Mittelalter), aber im Gegensatz zur High Fantasy in der realen Vergangenheit. Hier gibt es Bücher, die sich näher an den tatsächlichen historischen Gegebenheiten orientieren und Ereignisse, Kriege, Könige usw. genau übernehmen; es gibt aber auch Autoren, die da etwas freier sind, und sozusagen die reale Geschichte an ihre Story anpassen.

  • Bekannte Beispiele: Harry Potter von Joanne K. Rowling, The Mortal Instruments/Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare, die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier, usw.


Machen wir weiter mit einem weniger bekannten Subgenre, der Dark Fantasy:

  • Die Story spielt in einer sehr dunklen, mystischen Umgebung, oft in Verbindung mit gotischen und sogar Gothic-Elementen. Nicht selten spielen deshalb Friedhöfe, Kirchen und alte Burgen eine Rolle.

  • Hierbei ist es egal, ob die Geschichte in unserer (Urban Dark Fantasy) oder einer fiktiven Welt (High Dark Fantasy) spielt.

  • Oftmals wird D.F. mit Horror gleichgesetzt, allerdings gibt es hier einige Dinge zu beachten: Horrorgeschichten mit Psychopathen, verrückten Axtmördern usw. sind reine Horrorgeschichten, während Bücher/Filme mit Monstern, Geistern, Dämonen eher als D.F. bezeichnet werden können. Der Unterschied zu Urban Fantasy liegt hierbei im Setting.

  • Manchmal spielt auch Erotik eine mehr oder wenige prominente Rolle.

  • Beispiel: Die Der dunkle Turm-Reihe von Stephen King.


Ein weiteres eher unbekanntes Subgenre ist Science Fantasy:

  • Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Kombination aus Fantasy und Science Fiction.

  • Wie Science Fiction es 'vorgibt', befinden wir uns hier im Weltraum und in einer weit entfernten Zukunft (mindestens 50, teilweise aber auch mehrere 100 Jahre). Es gibt weiterentwickelte Technologie, gleichzeitig manchmal aber post-apokalyptische Zustände, sowie eine neue Regierungsstruktur.

  • Es finden sich klare Motive der klassischen Fantasy und Magie spielt eine wichtige Rolle.

  • Ein gutes Beispiel dafür ist Star Wars: Als klassisches Fantasy-Motiv sind Gut (Luke Skywalker/die Rebellen) und Böse (Darth Vader/das Imperium) sind klar voneinander getrennt, und die Prinzessin (Leia) muss vom Guten (Luke) vor dem Bösen (Vader) gerettet werden. Die Macht ist hier mit Magie gleichzusetzen. In anderen Sci-Fi-Filmen (z.B. Star Trek) finden sich diese Motive nicht – hier gilt das klassische Science-Fiction-Motiv: das Zusammentreffen mit Außerirdischen und z.T. der Kampf mit ihnen.


Auch Animal Fantasy will ich noch kurz ansprechen:

  • Auch hier ist der Name wieder Programm: Die Hauptcharaktere sind Tiere oder Tiermenschen (Werwölfe u.Ä.).

  • Wie bereits klar sein sollte, kann es in einer fiktiven (High Animal Fantasy) oder der realen Welt (Urban Animal Fantasy) spielen.

  • Beispiel: Warrior Cats von Erin Hunter.


Als kleinen Nachschub: Es gibt auch Humour Fantasy oder – als Wortspiel – „Funtasy“:

  • Zwei Möglichkeiten:

    1.) Fantasy-Bücher, die in allen verschiedenen Subgenres spielen können, solange sie

    klassische Fantasy-Motive oder Motive dieser spezifischen Unterkategorie parodieren (z.B. die Terry Pratchett-Romane).

    2.) Parodien auf bestimme Fantasy-Bücher, z.B. Barry Trotter.


Was ich euch auch nicht vorenthalten will, ist die sogenannten Vampire Fantasy,

  • denn im Moment gibt es so viele Vampirromane, dass dies manchmal schon als eigenständiges Genre angesehen wird, obwohl die meisten im Grunde genommen Urban bzw. Urban Dark Fantasy sind: Sie spielen in unserer Welt, in der etwas Übernatürliches (Vampirismus) vorkommt, von dem nur ein kleiner Personenkreis weiß. Das Setting ist manchmal düster und auch Erotik kommt zum Teil vor.

  • Beispiele: Twilight von Stephenie Meyer, The Vampire Diaries von Lisa J. Smith, Vampire Academy von Richelle Mead.

     


Wie man (hoffentlich) sieht, lässt sich wirklich alles mit allem kombinieren; sogar etwas so scheinbar Widersprüchliches wie High und Urban Fantasy. Dies würde passieren, wenn Charaktere aus unserer Welt (d.h. mit unseren Erfahrungen und Moralvorstellungen) in eine rein fiktive Mittelalterwelt mit mystischen Wesen und Magie kommen, und die Geschichte sowohl in dieser als auch in unserer Welt spielt. Dies sieht man z.B. hervorragend bei Die Chroniken von Narnia von C.S. Lewis.



In der Hoffnung, euch damit informiert – und vielleicht auch inspiriert ;)– zu haben


Eure Dragonfly Johanna



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