Von der Karibik zu "Oneiric" - Die Entwicklungsgeschichte einer Geschichte (A Story's History)

(Scroll down for English version.)


"Ich schreibe".

Diesen Satz erwähne ich nicht jedem gegenüber - nicht etwa, weil es mir peinlich ist, oder ich schüchtern bin, sondern schlicht und ergreifend aufgrund der Tatsache, dass ich weiß, wie anstregend das ist. Denn auf diese Aussage folgt unausweichlich die erste der vier Höllenfragen.

1. "Oh, worum geht es denn in deinem Buch?"

Wie gesagt, unausweichlich. Genauso wie die sich daraus ergebene Konversation: "Kein Buch, sondern eine Reihe." - "Ja, das habe ich mir gut überlegt." - "Urban Fantasy." - "Nein, nichts mit Elfen. Urban Fantasy spielt in unserer Welt." - "Nein, es ist nicht wie Harry Potter."

Auf diesen peinlichen Wortaustausch folgt ein nicht minder unangenehmer Versuch meinerseits, einen sich über sechs Bücher hinweg entwickelnden Plot so kurz zu fassen, dass mein Gesprächspartner nicht mit den Gedanken abschweift. Was bei den meisten Menschen übrigens schon nach wenigen Minuten passiert.

Ich fange meist damit an, den Titel zu erklären: "Oneiric" [oʊˈnaɪərɪk; bzw. o-nai-rick], was etwa soviel bedeutet "Träume betreffend" oder auch "traumartig". Womit wir auch schon mitten in der Handlung wären, die ich jedoch selten schaffe, komplett zusammenzufassen. Denn meist höre ich irgendwann ein abwesendes: "Ahaa...", bevor ich auch nur halb fertig mit erklären bin, und dann folgt Höllenfrage Nummer Zwo.

2. "Und wie weit bist du schon?"

Kann ich schlecht sagen. Es gibt Autoren, die am Anfang beginnen und bis zum Ende durchschreiben. Im Grunde genommen tue ich das auch, aber nur im Grunde genommen. Denn wenn mir etwas zu Buch Drei oder Fünf einfällt, schreibe ich das auf. Was dazu führt, dass die Rohfassung von Band 3 schon fast fertig war, bevor ich Band 2 überhaupt erst anfing. Im Moment würde ich meinen Stand folgendermaßen beschreiben: Band 1 ist fertig geschrieben, mehrfach überarbeitet und steckt nun in den allerletzten Zügen; Band 2 befindet sich etwa in der Hälfte der Rohfassung; die Rohfassung von Band 3 steht, wie gesagt; aus Band 4 bis 6 existieren Fragmente. Und genau deshalb ist es sehr schwer zu sagen, wie weit ich bin. Ich weiß es ja selbst nicht genau.

3. "Und wie lange schreibst du schon daran?"

Kann ich ebenfalls nicht sagen (ich bin ein ganz toller Interviewpartner, ich weiß). Aber es gab halt nie diesen "einen Moment"; ich saß nicht im Zug und bekam aus heiterem Himmel eine Idee. Fakt ist: Nach unzähligen Fanfictions im Grundschulalter (auch wenn ich den Begriff damals noch nie gehört hatte), begann ich im Alter von ca. 12 Jahren mit einer Geschichte. Sie handelte von einem Waisenmädchen und einer Insel in der Karibik. Diese habe ich weder beendet noch abgebrochen - sie hat sich kontinuierlich verändert, bis sie irgendwann "Oneiric" war. Diese Weiterentwicklung kam von ganz allein, denn ich hatte die Charaktere noch lange nicht richtig verstanden. Manche wollten bloß andere Namen oder Geschlechter, andere wollten ganz raus, neue wollten dabei sein. Das Setting änderte sich ebenso wie mein Schreibstil; die Story begleitete mich durch meine Jugend und reifte mit mir.

Heute kann ich nur sagen, dass der jetzige Plot (nachzulesen hier) seit ca. 4 Jahren steht - doch das heißt nicht viel. Eine Geschichte verändert sich beim Schreiben. Und so schreibt, genau genommen, auch kein Autor ein Buch: die Stories, die erzählt werden wollen, suchen sich ihren Autor. Und manchmal dauert es eben ein Weilchen, bis sie sich verstehen.

 

Eure Dragonfly Johanna

 

PS: Höllenfrage Nummer Vier ist übrigens: "Und wo kann ich dein Buch kaufen?", aber das ist eine ganz andere Sache...



***



"I write."

I don't always mention that - not because I'm shy or uncomfortable with it, but because of the simple fact that I know how exhausting it can be. For this statement is inevitably followed by the first of my four infernal questions.

1. "Oh, what's your book about?"

As I said, inevitable. So is the resulting conversation: "Not one book, a series." - "Yes, I did think that through." - "Urban Fantasy." - "No, it has nothing to do with elves. Urban Fantasy is set in our world." - "No, it's not like Harry Potter."

This awkward chat is followed by a not any less uncomfortable try on my part: How do I sum up a plot that develops in six books in a way that the other person won't let their mind wander (which, for most people, happens after only a few minutes)?

Usually, I begin by explaining the title: "Oneiric" [oʊˈnaɪərɪk; o-nai-rick], which means "related to dreams" or "dream-like". Which brings us straight to the plot. However, I hardly manage to finish my summary. Typically, at some point, I get to hear something like "Okay, I see..." and my infernal question number two.

2. "How many books have you written so far?"

That one's hard to answer. There are writers who start at the beginning and write straight till the end. Actually I do the same, but only actually - because, when I get an idea for book three or five, I write it down. Thus, I had the raw version of book 3 finished before I even started writing book 2. At the moment, I would characterize my progress in the following way: Book 1 is completely written and multiply revised; book 2 is semifinished; there is, as I said before, a raw version of book 3; and there are phragments of book 4 to 6. And this is exactly why I find it very hard to say how many books I have written so far. I'm not even sure myself.

3. "And when did you start writing it?"

I can't answer that neither (I'm a fantastic interview partner, I know). But I can't help it - there never was this "one moment". I wasn't sitting in a train and got an idea out of nowhere. Truth is: After writing numerous fan fictions while I was in primary school (although I had never heard of the term back then), I started a novel when I was about 12 years old. It was about an orphan girl and a Carribean island. I neither finished nor cancelled it - it developed steadily until it became "Oneiric". This "evolution" happened unintentionally; I just hadn't fully understood the characters yet. Some of them just wanted different names or genders, others didn't want to participate in the story anymore, new ones wanted to be in it. The setting changed as well as my writing style. The story accompanied me through my teenage years, maturing with me.

Today, I can say that the present plot (read it here (in German)) has been finished for about four years now - but that doesn't mean a lot. A story always changes in the process of being written. And that's why, actually, no author ever writes a book: the stories which want to be told choose an author. And sometimes, it just takes a while until they completely understand each other.


Your Dragonfly Johanna


PS: My infernal question number four is, by the way: "And where can I buy your book?", but that is a completly other problem...

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Kommentare: 1
  • #1

    sarah (Donnerstag, 04 Dezember 2014 22:03)

    genau die fragen würde ich auch stellen :-D